Das Thema KI hebt ab und scheint nur noch schwarz und weiß zu kennen. Es gibt die Befürworter und immer mehr Gegner und sicher gibt es für beides Gründe. Aktuell im September 2026 scheint ein weiterer Höhepunkt erreicht – die großen amerikanischen Protagonisten rufen nach Kontrolle ihrer Aktivitäten, weil die KI sich immer cleverer der Kontrolle durch ihre Entwickler zu entziehen scheint.
Was wirklich dahinter steht bleibt fraglich – ist der Ruf auch, oder vor allem Marketing, um zum Beispiel zu zeigen, dass man zu den Guten zählt oder haben sie wirkliche Angst bekommen vor dem was sie da tun und wollen die Verantwortung dafür anderen zuschieben, die dann Schuld daran sind wenn mal wieder was schiefgeht?
Problematisch ist es allemal, das „deep learning Modell“ von Open AI, denn entscheidend ist womit die KI gefüttert wird. Lässt man Daten einer Bevölkerungsgruppe weg oder ist sie unterrepräsentiert oder eben eine andere Gruppe ist überrepräsentiert, dann kann die KI ganz schnell zum Beispiel rassistisch oder anti-muslimisch wirken.
Spannend und auch beängstigend ist das für die Einen, bei Anderen weckt es die Lust auf mehr – je nach persönlichem Blickwinkel und abhängig davon aus welcher Informationsblase das eigene Wissen
stammt.
Jetzt gibt es angeblich die Möglichkeit, dass die entfesselte KI die Menschheit vernichtet (es gibt unterschiedliche Prozentzahlen für wie wahrscheinlich das gehalten wird und wann es endlich soweit ist – grins). Die andere Seite ist das Warten oder die Hoffnung auf die dem Menschen überlegene Superintelligenz, die, vorausgesetzt unser Planet stellt ausreichend Energie und Platz für die enorme Menge an Serverfarmen zur Verfügung, dann ebenfalls mit hoher Wahrscheinlichkeit all die planetaren Menschheitsprobleme von Klimakatastrophe bis zu allen Krankheiten oder sonstigen Problemen lösen wird.
Woher der Platz und die Energie genommen werden ist in der Schwebe – in den USA wächst der Widerstand gegen weitere Hightech Ansiedelungen. Das Risiko, dass die Superintelligenz doch nicht der heilbringende Tech-Messias sein wird, erscheint mir persönlich zu groß um den, sicherlich klimaverschleißenden, weiteren Verbrauch von Ressourcen zu rechtfertigen.
Parallel zur intellektuellen (Fach-) Diskussion häuft sich die Nutzung von „AI“ in vielen Arbeitsfeldern – die Tech-Konzerne bieten Branchenlösungen an, die schneller zu Arbeitsergebnissen führen und im Idealfall weniger personelle Ressourcen brauchen. Ich bin kein Wirtschaftler doch diese Entwicklung führt sicher nicht zu mehr Arbeitsplätzen.
Es entsteht eher das Bild eines Konzernes, das ganz oben einen sehr reichen und super mächtigen, wahrscheinlich männlichen CEO hat und darunter die erwähnten Servercentren und Fabriken in denen die Roboterarmee, das herstellt, was den CEO noch reicher und mächtiger macht. Irgendjemand hat schon von einem dauerhaften Prekariat und einer kleineren (Ober-)Schicht am anderen Ende der Skala gesprochen (klingt nach Elon Musk, oder?).
Im Alltag vieler Menschen spielt die KI ebenfalls eine immer größere Rolle. Neben der KI-Zusammenfassung von Googles „Gemini“ bei der Internetsuche, die uns, natürlich ganz oben angezeigt wird, finden die persönlichen Agenten, von Einigen liebevoll „Chattie“ genannt, immer größeren Zuspruch.
Sie helfen beim Einkauf, finden tolle Rezepte und geben beim Kochen Schritt für Schritt Anleitung. Sie sagen das, was du hören möchtest und merken sich alles, was du gesagt hast. Sie sind Planungshilfe und Gesprächspartner und es sind schon Fälle dokumentiert, wo sich ein Mensch in seinen personalisierten KI-Agenten verliebt hat.
Hilft das gegen die Einsamkeit oder macht das in Wirklichkeit noch einsamer? Schwer zu sagen und sicher ist es wieder je nach Persönlichkeit und Perspektive unterschiedlich zu bewerten.
Den meisten Nutzern dürfte es dabei völlig egal sein, wo die zugrunde liegenden Daten geklaut worden sind und wie hoch der Stromverbrauch und der „Traffic“ einer kleinen KI-Anfrage ausfallen. Hausaufgaben erledigen ohne Hilfe der KI – für viele Schülerinnen und Schüler undenkbar, Studierende inkludiert. Warum soll ich selber Texte lesen und zusammenfassen, wenn die KI das besser und schneller kann mit immer besser werdenden Ergebnissen, die immer weniger Nachbearbeitung benötigen.
KI-Agenten sind auch großartige Helfer, etwa zur Routenplanung, beim Videoschnitt und bei der Steuererklärung und weil der Mensch bequem ist wird das alles auch intensiv genutzt.
Meine Perspektive als Medienpädagoge ist daher ziemlich durchmischt.
Einerseits bin ich innerlich überzeugt davon, dass es sich bei der KI, wie auch beim Internet und aller sonstiger Digitalisierung um einen Beschleuniger handelt, der die Menschheit wohin auch immer bringen wird. Das ist der dystopischer Anteil meiner Persönlichkeit.
Das Gefühl der Ohnmacht und des ausgeliefert Seins kommt aber auch vom begründeten Verdacht, dass es beim Thema KI, wie fast immer, um die Anhäufung von Macht und Geld und dazugehörend um die Vernichtung des, als moralisch minderwertiger dargestellten, chinesischen Kontrahenten geht. Beschrieben wird das im, schon mal erwähnten Buch von Karen Hao, „Empire of AI“, das tiefe Einblicke in das Weltbild des Sam Altman und anderer Akteure ermöglicht.
Ganz praktisch versuche ich mich von der Alltags-KI fernzuhalten so gut es geht und weiterhin so viel als möglich selbst zu machen. Natürlich nutze ich KI, da wo es mir konkret hilft – zum Beispiel beim Videoschnitt. Meine Musik und meine Texte mache und schreibe ich lieber selbst, auch in dem Wissen, dass unser Körper und damit auch unser Gehirn Funktionen, die nicht mehr gebraucht werden, weil sie z.B. durch die KI ersetzt worden sind, einfach abschaltet.
Allerdings ringe ich um eine passende Haltung, wenn ich an meinen anstehenden Hörspielkurs denke. Hier erwarte ich Kursteilnehmende, die mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit schnellere und bessere Ergebnisse durch KI, dem mühsamen Prozess des alles „Selbstmachens“ vorziehen werden. Möglicherweise täusche ich mich da – doch das Thema KI wird unweigerlich präsent sein. Schließlich erhalte ich, richtig „gepromptet“ in Nullkommanix ein vermeintlich perfektes Hörspiel mit wundervollem Spannungsbogen und ausgefeilten Texten. Letztere kann man noch von KI-Sprecherinnen und Sprechern nuanciert vortragen lassen, hinterlegt mit stimmiger Musik, die natürlich „rechtefrei und gemagerecht“ soeben von einer KI generiert worden ist.
So wie bei „Suno“, dem berühmten KI-Agenten zur Musikproduktion, entsteht dann ein vermeintlich „perfektes“ Produkt, dem es bisher aber noch am menschlichen Faktor fehlt. Gemeint ist dabei das „Unperfekte“, das uns Menschen immer noch ausmacht und das die Ober- und Zwischentöne liefert, die wir brauchen um menschliche Wärme zu spenden und zu empfangen.
Doch wenn es bei „Voice Of America“ KI-generierten Fake-Künstlern gelingt die Zuschauer zu Tränen zu rühren, dann rüttelt die KI auch schon heftig an den Mauern dieser Festung.
Ein Argument, das in Teilen der Kunst und auch der Medienpädgogik, immer wieder auftaucht, lautet, es gelte den „kreativen Umgang mit der KI“ zu erproben, vermeintlich um sich selbst noch schneller und besser auszudrücken!
Weil die Zielgruppen der Medienpädagogik, wie schon bei den Smartphones, nun die KI ja schon intensiv nutzen, muss man als Pädagogin und Pädagoge die Materie beherrschen und nutzen. Nur so kann man Mitreden oder der Zielgruppe dabei helfen, die „kreativen Potentiale“ der KI für sich nutzbar zu machen. Das kritische Hinterfragen des eigenen Tuns ist dabei manchmal deutlich geringer als die Lust an Technik und den damit verbundenen „neuen“ Möglichkeiten.
Wo bleibt bei intensivem Einsatz von KI der Selbstausdruck, was genau stärkt das Selbstwertgefühl, worin zeigt sich Selbstwirksamkeit?
Wenn ich mit Suno den perfekten Song produziert habe, auf was genau kann ich dann stolz sein?
Wenn ich Anerkennung von anderen dafür erfahre wofür ist die dann genau? Wie groß ist der eigene kreative Anteil dabei wirklich?
Was habe ich dabei gelernt und was verlerne ich möglicherweise dabei…?
Am Schluss bleibt für mich die Frage ob ich altersbedingt die KI-kritische Brille nicht mehr von den Augen kriege und natürlich gilt für mich und für Gegner und Befürworter und alle dazwischen die Aussage: „Es gibt immer die Möglichkeit, dass du komplett falsch liegst!“
Die Schwierigkeit besteht allerdings darin sich das gegebenenfalls auch einzugestehen!