Livestream HD 550 Pro 4K – Vorgeschichte

Quelle Herstellerfoto

Ich kann es einfach nicht lassen – das ewige Schnäppchenjagen – und so entdeckte ich den „HD 550 Pro 4K“ bei Ebay. Zu Kaufen bei B&H, New York. Hier der Link zum Gerät: „klick“

Vorgeschichte:

Ich war auf der Suche nach Videomischern, vor allem, weil mir trotz etlicher vorhandener Geräte (blackmagic design atem pro, Roland V50 HD, diverse PTZ Kameras und Controller usw.) der Workflow und der komplexe und deshalb fehleranfällige Aufbau eines privaten Fernsehstudios mit mehreren Kameras nie so recht gefallen wollte. NDI, also (Network Device Interface) hatte mich vorher schon angefixt, denn es verspricht die „Ein Kabel-Lösung“, will heißen alles läuft über ein einziges Ethernetkabel. Eine Kamera, die über eine NDI-Lizenz verfügen muss, in meinem Fall die PTZ-Kamera (steht für Pan,Tilt,Zoom) „OBSBOT tail II“, wird über ein Ethernetkabel gesteuert (und zwar alles, von der Belichtung bis zum Bildausschnitt!). Die Videodaten fließen über einen POE-Switch (versorgt die angeschlossenen Geräte mit der Betriebsspannung) zum Videomischer und weiter zum Rechner, wo „recorded“ oder „gestreamt“ wird.
Okay, die meisten LeserInnen steigen spätestens hier aus, weil es vielleicht schon zu technisch wird. Tatsächlich gibt es, wie immer, zahlreiche Fallstricke die den Weg zum Ziel versperren wollen.
Eine Mini-Auflistung, nur so zum Spaß:
Verschiedene NDI-Versionen, sehr differenzierte Hardwareanforderungen, Lizenzkosten von circa 100 Euro für eine NDI-Lizenz (pro Gerät), Profipreise für Profigeräte und den Spaß es zum Beispiel mit „billigeren“ Chinakameras und NDI-Controllern zu versuchen ( habe NDI-fähige Kameras von chameye und zowietek gekauft), Netzwerktechnik und Spezifikationen, die einen Laien (Unwissenden aber Lernenden) wie mich weit überfordern, Software, wie das wunderbare OBS, die erlernt und beherrscht werden muss, Kabelsalat und Monitore, die nichts anzeigen, angeblich „NDI-fähige“ PTZ-Controller, die mal ein Vorschaubild liefern und dann mal wieder nicht und schon gar nicht von allen angeschlossenen Kameras gleichzeitig, unerträgliche Latenzen und last not least: wo ist der Ton abgeblieben?
Empfehlungen für mit NDI funktionierende Hardware (hier zu finden klick), sind sehr ernüchternd im oberen Profibereich angesiedelt – nichts was man sich so eben mal zum Ausprobieren anschafft, selbst wenn man die Kohle dafür hätte. Ich kann da definitiv nicht mithalten!
Alles in Allem war ich nach Anschaffung von 4 Kameras, einem PTZ-Controller, einem POE-Switch und weiterem Kleinkram ziemlich ernüchtert – von der Zeit mal abgesehen, die man verbraucht, wenn man nicht kompatible Geräte verbindet und mit bestenfalls „Halbwissen“ zum Arbeiten bringen möchte. Wenn was nicht geht – woran liegt es dann?

Quelle: Herstellerfoto

Der Livestream HD 550 4K Pro

zunächst dachte ich es handelt sich um ein weiteres, wahrscheinlich chinesisches, Nischenprodukt, das angeblich viel kann aber von keinem gekauft wurde und nun bei Ebay versilbert wird, damit man es endlich wieder los ist! Hab es mal auf die Merkliste gesetzt und weiter gestöbert!
Tage später habe ich es nochmal aufgerufen und dann das Internet befragt. Hersteller war mal die 2007 in New York gegründete Firma „Livestream“, die es so wohl nicht mehr gibt, denn im September 2017 wurde Livestream von Vimeo aufgekauft. Gemeinsam wurde dann noch die Streaming Cam Mevo Plus entwickelt. Heute bietet Vimeo keine Hardware zum Kauf mehr an. War wohl leider ein finanzieller Flop!
Immer noch gibt es die Streaming-Software „Studio“, mittlerweile in der Version 6. Letztere ist angeblich auch auf dem angebotenen HD 550 Pro installiert. Diese Software alleine kostet schon knapp 1000 Euro, was auf jeden Fall die Zugehörigkeit zum Profi-Bereich suggeriert. Ich meine, wer sonst kauft sich sowas, wenn es doch kostenlos OBS gibt?
Auch den HD 550 4K Pro kann man angeblich noch kaufen (siehe Link ganz oben)! Er kostet in einer hardwaremäßig nicht aktualisierten Version nur schlappe 10.000 Dollar! Kauft und kaufte sich keiner. Jetzt wurde das Ebay-Angebot, bereits mehrfach heruntergesetzt und nun bei 500 Euro liegend, für mich aber langsam interresant.
Also, vereinfacht ausgedrückt, so ergab meine Recherche, ist das angebotene Gerät ein Windows 10 – All in One-Computer (also mit integriertem Monitor) mit besonderer Hardware und daran angepasstem Betriebssystem. Mit schnellem Prozessor, 64 Gbyte Ram, großer Festplatte und viel Hardware von blackmagic design (6 fest verbaute Decklink-Karten, die SDI und HDMI können). Die installierte Studiosoftware in Version 6 kann alles, was man in einem kleinen TV-Studio braucht und das besser als OBS. Sie kann Video und Audio Mischen, Streamen, Recorden. Besonders ist hier, dass sowohl der „livegemischte“ Stream aufgenommen werden kann und zusätzlich jede einzelne Quelle nochmal extra ( ISO-Recording genannt)  was eine komplette Nachbearbeitung ermöglicht. Weiterhin möglich ist die PTZ-Kamerasteuerung auch über NDI – und hier war es nun um mich geschehen – jeder innere Widerstand gegen diesen Risikokauf zerbröselte im Nu und ich schlug zu.

Nach ein paar Tagen kam das Paket bei mir an und sofort wollte ich den HD 550 testen. In der Anzeige war schon von gelegentlichen Bootproblemen und dem Starten über das BIOS die Rede und so war es auch. Nur, dass sich wirklich gar nichts tat! Nach ein bißchen Flackern und Knistern schaltete sich der Rechenbolide einfach selbst wieder ab. Irgendwann beim 10. Versuch startete dann mal das BIOS und es wurde angezeigt, dass der Prozessor heißlief und in eine Art Schonmodus schaltete. Dann startete ab und zu auch mal Windows 10, allerdings dauerte das endlos lange und viel zu bald schaltete sich der Computer dann beleidigt einfach wieder selber ab.
Mittlerweile hatte ich Kontakt zum Verkäufer aufgenommen, der nicht glauben wollte, dass die Maschine nicht funktioniert und sich zunächst weigerte das Ding zurückzunehmen. Später wurde er etwas milder und hätte das Gerät tatsächlich zurückgenommen. Da hatte ich jedoch das BIOS oft genug gestartet um zu sehen, dass die offensichtlichen thermischen Probleme wohl, vom nicht laufenden, Prozessorlüfter ausgingen. 4 Lüfter werden im BIOS angezeigt und zwei davon standen still, darunter der mit der Aufgabe die CPU zu kühlen.

Also ein defekter Lüfter ist zumindest reparierbar so dachte ich, genauso könnte es aber am Mainboard liegen – was meine Reparaturfähigkeiten dann aber sicher übersteigen würde.  Weil ich es unbedingt wissen wollte, beschloss ich das Gerät zu öffnen – womit sich dann allerdings eine Rückgabe an den Verkäufer erledigt hatte.
Die nachfolgende Recherche im Internet ergab gar nichts – es gibt einfach keine Anleitung zum Öffnen. Irgendeiner bei Reddit behauptete er hätte mal den Speicher gewechselt – weitere Informationen Fehlanzeige. Das Manual, zu finden bei Vimeo, bezieht sich ausschließlich auf die Bedienung der Software.  Das war nicht sehr ermutigend, denn meine Erfahrung sagt mir, dass solch komplex verbaute Geräte (Laptops zum Beispiel) oft nur mit irgendwelchen Tricks zu knacken sind. Da haben mir Hilfsvideos auf youtube schon öfters die Lösung präsentiert. Hier musste es also ohne Hilfe gehen. Ein paar Schrauben an der Rückseite waren zu sehen, doch nach dem Lösen tat sich nichts. Die Rückplatte bewegte sich keinen Millimeter. Vorsichtig fuhr ich mit einem Stück Plastik innen am Rand entlang um zu spüren ob irgendwelche Plastiknasen zu drücken sind. Auch Fehlanzeige. Auf einer Seite ließ sich die Rückwand etwas vom Rumpf wegbiegen, doch „zuviel ist ab“ und ich verzichtete darauf noch stärker zu biegen. Lieber noch mal recherchieren. Mit etwas Glück findet sich die rettende Info vielleicht doch noch!

So verging ein weiterer Abend am Rechner mit der Suche nach etwas, das es wohl gar nicht gibt. Am nächsten Tag landete der AIO-Computer / Video switcher / das mini – TV-Studio, also wieder auf meiner Werkbank im Keller. Ich wollte das Ding noch sorgfältiger nach versteckten Schrauben absuchen und tatsächlich, unter den aufgeklebten Gummifüßen am Boden fanden sich 4 weitere Schrauben, die natürlich sofort gelöst wurden.
Meine Hoffnung nun einen signifikanten Schritt nach vorne gemacht zu haben wurde leider schnell enttäuscht – nichts bewegte sich! Der Schlüssel zum Erfolg musste aber auf der Rückseite liegen: Wenn man die Ränder der rückwärtigen Abdeckung mutig aufbiegt fühlte es sich so an als wäre mittig noch irgendeine Befestigung. Zu sehen war allerdings nichts. Also eine Seite so weit aufbiegen wie es gerade eben geht und mal mit der Taschenlampe hineinleuchten. Na klar der Deckel war zusätzlich mit irgendeiner Pampe in der Mitte breit verklebt. Hier wollte der Hersteller wohl verhindern, dass Leute wie ich Reparaturversuche vornehmen. Na ja, mit einem sehr langen Küchenmesser fummelte ich in den Schlitz und sägte die Verklebung weg und ich war drinnen.
Leider war ich so aufgeregt, dass ich keine Fotos gemacht habe. Ärgerlich! Das Bild, das sich mir bot, war das eines extrem vollgepackten Rechners. Die 6 verbauten Blackmagic Design „Decklink“ Karten sind ebenfalls zusätzlich verklebt. Alles ist super sauber und durchdacht verbaut – alle Kabel ordentlich verlegt. Das sah richtig gut aus! Das weitere Vorgehen war klar: Den geöffneten Rechner einschalten und schauen, ob sich der Prozessorlüfter dreht. Tut er nicht! Als ich mit dem Finger auf den Verbindungsstecker zum Mainboard drückte lief er aber an, Finger wieder weg und er stoppte.  So ein Wackelkontakt kann Freude auslösen, denn sowas lässt sich meist beheben. Da die Buchse von unten am Mainboard angelötet ist, kam nun eine weitere Stunde Zerlegeaufwand dazu, danach mussten nur noch die Lötstellen nachgelötet werden. Leider war erst nach dem weitgehenden Zusammenbauen ein Testen möglich – doch alles gut. Nun lief die Kiste. Booten über den BIOS-Umweg ist nicht schön aber das war und ist mir egal, wenn es denn funktioniert. Erst jetzt, zwei Wochen nach der Ankunft konnte die eigentliche Testphase beginnen. Ach ja, auf die „Wieder“-Verklebung des Deckels habe ich natürlich verzichtet, so komme ich bei Bedarf viel schneller an die Hardware ran.

Lust auf den Testbericht? Kommt demnächst….