Hohner „Leyanda-Line“ MW 800P

Meine erste Leyanda habe ich für 80 Euro im Jahr 2019 von einem Kollegen bekommen. Sie sollte als Geschenk verwendet werden. Überrascht war ich vom vollen warmen vintage-Klang, den diese Gitarre entfaltete. Die Verarbeitung war auch gut und das Dreadnaught-Design war mit einer schönen Kopfplatte, Bindings um Griffbrett und Korpus und natürlich der warmen gelblichen Farbe der Ahrorndecke sehr ansprechend.
Also habe ich eine zeitlang den Markt beobachtet und dann zugeschlagen.
Der Verkäufer beschreibt sich selbst als Gitarrenlehrer, der schon viele Gitarren in Händen gehalten hat und der von der Hohner angeblich sehr positiv überrascht war. Er beschrieb auch den Spaß den er am Einstellen und Griffbrettölen usw. hätte! klingt doch nicht schlecht, oder?

So sah dann der Karton aus in dem die Klampfe ankam!
In dem Socken steckte die Kopfplatte und war dadurch vor neugierigen Blicken (und vor sonst nichts) geschützt.

Irgendwann fand ich dann auch die Gitarre ganz unten im Karton und es konnte losgehen mit der Erstinspektion! Der erste Eindruck war nicht schlecht, denn nichts war gebrochen und alles war dran. Die Seiten gestimmt und ein paar Akkorde angeschlagen – auch der Klang passte.

Die Gitarre hatte dem Alter entsprechend zahlreiche „dings & dongs“ wie die englischprechenden Gitarrenfreunde sagen, aber keine Risse oder Löcher. Lediglich die Decke gleich hinter dem Sattel hat eine seltsame Stelle, die ich nicht einordnen konnte (Foto links).  Am unteren Ende des Griffbretts hatte sich das Binding gelöst (kein Foto dazu), die Bünde circa bis zum 7. Bund hatten tiefe Kerben. Soweit alles normal, doch ärgerlich, dass jemand, vielleicht der Gitarrenlehrer in möglicherweise guter Absicht, die Oberfläche mit Lackspray kaputtveredelt hatte. Siehe Bilder

Bei mir löste das Kopfschütteln aus – doch wenn man bedenkt, was Menschen andern Menschen antun, dann geht das natürlich auch bei Gitarren.
Spätestens jetzt taucht bei mir im Hirn die Frage auf, ob diese verhunzte Gitarre nicht ein Fehlkauf war.

Die Liste der zu erledigenden Arbeiten umfasste nach dem ersten Check also folgendes:
– Grundreinigung außen und Innen (muss wohl ein Wellensittich drin gelebt
haben)
– Binding verkleben-
– Bünde abschleifen, evtl. abrichten und Seitenlage einstellen
– Versuchen die Oberfläche zu retten – evtl. Abschleifen – keine schöne
Vorstellung! Polieren am Ende

Also Saiten runter und los geht es:
Aha, da kommen noch weitere Kleinigkeiten daher:
Die Einlage der Brücke ist wohl auch nicht passend, nämlich etwas zu kurz.
Mechaniken: Die Distanzscheiben von drei Wirbeln waren gebrochen und brauchen Ersatz – beim Ausbau entdeckte ich noch eine defekt Mechanik, die ebenfalls getauscht werden muss.

Bin gespannt, ob ich die Teile alle irgendwo herbekomme! Vor allem eine optisch passende Einzelmechanik wird schwer und ein neuer Satz Mechaniken ist zu teuer für dieses Projekt. ( Ich kaufe wenn es geht keinen billigen China-Schrott – ich habe unglaubliche Angebote gesehen z.B. 16 Euro für einen kompletten Satz inklusive Versand!)
Schwierig zu beschaffen waren auch die Distanzringe unterhalb der Drehknöpfe  – Göldo bietet je 25 Stück für 6,50 Euro an, bei einem Materialwert von vielleicht… egal , es muss ja auch gelagert, verpackt und beworben werden! Wie aber kommen die auf die Verpackungseinheit von 25 Stück?- egal. Gekauft.
Nach Stunden im Internet geht es dann ganz praktisch weiter:
Grundwäsche ist angesagt, denn so manches was sich angesammelt hat löst sich schon mit Wasser und Schwamm und ein bisschen Spülmittel ganz leicht.
Vielleicht mach ich das aber auch, weil ich mich vor den Rückständen, die irgendwelche Vorbesitzer hinterlassen haben, ein bisschen grause.
Ich bleibe dabei an der lackierten Oberfläche und rubbel alles ganz schnell wieder trocken. Nun steht die Entscheidung an, ob ich den aparten Spray-Lack wegschleifen soll. Vor dieser Arbeit habe ich Respekt und es fehlt mir an Erfahrung. Es so zu lassen kommt aber auch nicht in Frage, denn das wäre für mich so ähnlich als wpürde ich beim Auto mal schnelle den Rost übersprayen, damit ich es einem Deppen besser verkaufen kann.
Es gibt ein paar youtube-videos, wo arbeiten am Lack gezeigt werden, also werde ich es versuchen.

Angefangen habe ich mit dem Schleifklotz und einem 1000er Papier, dann 2000er, dann 3000er, dann Polierpaste und Polierbürste auf dem Akkuschrauber.
Dann noch Gitarrenpolitur, die ich per Hand einreibe!
Das letzte Bild zeigt das derzeitige Ergebnis. Der Spraylack ist weitgehen weg, die Oberfläche sieht „naja“ aus. Es gibt Luft nach oben und etwas Frust bei mir hier unten! Bei normalem Licht sieht es übrigens viel besser aus
– doch, da werde ich evtl. nochmal nacharbeiten!
Das lose Binding war mit Sekundenkleber schnell wieder in Position – eine nach der Ausführung wirklich unsichtbare Reparatur!
Während ich noch auf Teile warte klebe ich das Griffbrett ab und schleife die Kerben aus den Bünden. Ich benutze den Schleifklotz und 800er Papier und für den Feinschliff die Drahtwolle mit den 4 Nullern. Die Kerben sind weg, doch ich musste ziemlich viel Material wegnehmen. Wahrscheinlich muss ich die Bünde abrichten, denn die höheren Bünde liegen nun, wie der Name schon sagt (grins), deutlich höher. Doch dazu kommen wir später. Nach dem Reinigen mit der 0000er Stahlwolle habe ich dem durstigen Griffbrett das Öl gegeben nachdem es monatelang gelechzt haben muss.
Jetzt ist erstmal Pause, weil ich eine passende Mechanik finden muss. Ich nutze die Zeit um die Schwestergitarre zu inspizieren, die gerade mit der Post gekommen ist.

Fortsetzung folgt!