Hoyer 2060

Von 1945 bis 1987 wurden in Tennenlohe bei Erlangen Gitarren unter dem Markennamen Hoyer hergestellt. Auf dem Gebrauchtmarkt finden sich zahlreiche, zum Teil auch hochpreisige Sammlerobjekte, darunter Archtop-Jazzgitarren wie die „Solist“ oder der „Herr im Frack“ oder seltene Bauformen wie, die unter Sammlern begehrte Westerngitarre? „Solo 10b“, aus den 50er Jahren.
Später gab es neben vielen E-Gitarren Modellen wie der berühmten „Eagle“ oder „Firebird“, auch einige Westerngitarren. Interessant sind hier für mich die recht hochwertig gefertigten Modelle der 70er Jahre von der Jumbo 2062  (ja, das Vorbild ist die Gibson J 200) zur Dreadnaught 2060 und jeweils 12saitige Varianten der beiden. Ob es wohl noch andere Modelle gab…?

Nach dem Ende der Fertigung in Franken ging der Markenname erst nach England – aus dieser Zeit, 90er Jahre soviel ich weiß, findet sich das eine oder andere Modell (z.B. die Jumbo HJ 100S) auf dem Second Hand Markt.

Im Internet habe ich eine Seite aus Singapore gefunden auf der unter dem Namen Hoyer ein ganzes Sortiment Gitarren und Ukulelen angeboten wird. <klick>  Im Impressum taucht der Name Ritter auf, der wohl noch immer die Namensrechte hat und sich auf die Tradition der Marke beruft. Das sieht für mich stark nach Marketing aus – von der Tradition des Instrumentenbaus aus dem Hause Hoyer dürfte wohl rein gar nichts mehr vorhanden sein!
Das Wissen über die Marke und ihre Instrumente findet sich weniger im Internet sondern eher bei erfahrenen Sammlern, Musikern und Restauratoren, das sieht man schon an dem eher bescheidenen Eintrag bei Wikipedia!
Wer mehr weiß als ich (=fast nichts!),  darf mir gerne Informationen senden – da würde ich mich freuen!

Aufmerksam auf die Hoyer Westerngitarren geworden bin ich beim Stöbern auf der Internetseite German Vintage Guitar <klick> wo eine sehr schön restaurierte 2060 angeboten wurde. Ein paar Monate danach fand ich dann meine auf Ebay und konnte sie zu einem halbwegs günstigen Preis (ja, deutlich mehr als 300 Öhre) ersteigern.
Als sie ankam, rechnete ich natürlich zunächst mit dem Schlimmsten, doch der erste Eindruck war recht gut:

Der Vorbesitzer wusste nichts oder wollte mir nichts über die Gitarre mitteilen und so weiß ich also recht wenig über ihre individuelle Geschichte.
Verkauft wurde sie vom Musikhaus Lux in Mühlheim an der Ruhr. Die Seriennummer ist auf die Rückseite der Kopfplatte geschrieben und überlackiert, doch sie lässt sich nicht genau lesen. Könnte 29189 sein, wobei die 8 nur geraten ist. In wie weit sie Rückschlüsse auf das Herstelldatum zulässt ist für mich nicht erkennbar. Wahrscheinlich wurde sie irgendwann in den 70ern hergestellt…wie die Überlieferung sagt.
Aus dem Hoyer-Label, das man durch das Schalloch sieht, ist genau da ein kleines Rechteck ausgeschnitten, wo bei manchen Modellen die Seriennummer aufgedruckt ist. Was ich davon halten soll weiß ich nicht so recht!

Das lose Griffbrett-Binding ist schnell mit Sekundenkleber wieder an seinen Platz zurückgekehrt. Die drei etwas losen Bünde habe ich mutig mit dem Hammer und Unterleghölzern versenkt und sie sehen fest aus. Der Rest ist Kosmetik, die Plastik Bridge-Pins müssen weichen, das Griffbrett wird geölt und die Spielspuren an den Bünden werden weggefeilt und poliert. Die Saitenlage passt, doch was ist mit den Mechaniken? Sie drehen falsch herum, was nicht wirklich ein Problem ist. Aber, muss das sein?
Zwei Mechaniken müssen also runter, ich will sehen was da Sache ist!

Offensichtlich sind die Kluson nicht die Originalmechaniken, denn wenn ich die Mechaniken der beiden E-Saiten tausche, so dass sie richtigrum drehen würden, passt das wohl ursprüngliche Bohrloch nicht.
Im Netz fand ich ein Foto einer anderen 2060 wo die Mechaniken so aussehen:Diese zeigen den Schriftzug Hoyer und sind jeweils mit zwei Schrauben befestigt. Bei der 2060, die im Online-Museum bei GermanVintageGuitar abgebildet ist, sieht man jedoch ähnliche Kluson Mechaniken, jedoch richtig herum montiert.
An der Frage stehe ich nun mit meiner schönen 2060, denn einfach umdrehen geht nicht, da müsste ich neue Löcher bohren und die alten mit Wachs verschließen.
Ich habe beschlossen erstmal zu schauen, ob ich irgendwo passende Mechaniken finde, denn ich will, dass die richtig drehen. Ich habe das Gefühl, dass sich das einfach so gehört. Bin selbst gespannt, wie es weitergeht…